Einmal ArchäologIn sein

Einmal ArchäologIn sein

Ausgestattet mit einem alten Gegenstand und einem Schutzhandschuh durchforschen Kinder die Ausstellung „Römer oder so“ im vorarlberg museum. Für Kinder und Schulklassen werden spezielle Führungen angeboten, bei denen Neues entdeckt und in der Schule Gelerntes gefestigt wird.

In der Ausstellung „Römer oder so“ im vorarlberg museum: Ein Junge und drei Mädchen – eines davon hält einen verbogenen, leicht rostigen Nagel in der behandschuhten Hand – beugen sich über eine Glasvitrine, sie murmeln aufgeregt durcheinander, bis schließlich deutlich der Satz zu hören ist:

„As muss das si!“. Die vier sehen sich den Text bei der Vitrine an und malen dann etwas auf einen Zettel. Kurz darauf kommt Kulturvermittlerin Margarethe Lang zu den vier Kindern, schaut ihnen über die Schulter und sagt: „Gut habt ihr das gemacht!“.

Die drei Mädchen und der Bub gehören zur vierten Klasse der Volksschule Gaißau. Mit ihrer Lehrerin und Direktorin Doris Helbok nehmen die elf SchülerInnen an einer Führung mit anschließendem Workshop teil. Für alle Ausstellungen des vorarlberg museum werden spezielle Führungen für Schulklassen und Workshops angeboten, die stets dem Alter der Kinder und Jugendlichen angepasst sind. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem selbstständigen Erarbeiten der Inhalte, den sinnlichen Erfahrungen und der kreativen Umsetzung.

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Die Führung der Volksschule Gaißau beginnt mit einer kurzen Vorstellung des Museums selbst, danach werden die Kinder mit einem Zeichentrick-Film und einigen Worten von Kulturvermittlerin Margarethe Lang auf die Ausstellung „Römer oder so“, die dem Gräberfeld im Brigantium gewidmet ist, vorbereitet. Die Kulturvermittlerin gestaltet ihre Ausführungen sehr kindgerecht: Stets bezieht sie die SchülerInnen mit Fragen aktiv ein und erklärt Dinge anhand praktischer Beispiele aus dem Leben der Kinder.

Junge ArchäologInnen im vorarlberg museum

„Nun bilden wir drei ArchäologInnen-Teams“, sagt Margarethe Lang. Jedes der Teams erhält von ihr jeweils einen alten Gegenstand (ein Messer, eine Öllampe, einen Nagel), einen Fragebogen dazu sowie einen weißen Handschuh zum Schutz der Objekte. Die Aufgabe für die jungen ArchäologInnen lautet: den Fragenkatalog, dessen Antworten irgendwo in der Ausstellung „Römer oder so“ zu finden sind, beantworten. Bevor die Kinder ausschwärmen, bekommen sie von der Kulturvermittlerin noch gute Tipps sowie ein Hilfsmittel.

Die Schulführungen im vorarlberg museum eignen sich sehr gut als Anknüpfung für den Unterricht. Was tags zuvor im Unterricht besprochen wurde, kann anderntags im Museum begutachtet und von ExpertInnen erklärt werden. Die verschiedenen Ausstellungen decken die unterschiedlichsten Themen ab: Die Schau „vorarlberg. ein making-of“ zeigt die Landesgeschichte, „Sein und Mein“ führt akustisch durch Vorarlberg, „buchstäblich vorarlberg“ bietet Einblicke in die reiche Sammlung des Museums und „Römer oder so“ thematisiert die Funde, die in den vergangenen 150 Jahren in einem der größten Gräberfelder der Region gemacht worden sind. Zusätzlich gibt es Führungen für Schulklassen zu den Sonderausstellungen. Alleine die Namen der Workshops und Führungen machen Interesse auf mehr: „Sammellust von A bis Z“, „Geräuscheralley“, „Wo ist die Kunst?“ oder „Wer liegt da begraben?“, um nur einige zu nennen.

Hören, Sehen, Anfassen

Die kleinen ArchäologInnen der vierten Klasse VS Gaißau haben mittlerweile alle Antworten herausgefunden. Sie stellen nun ihre Ergebnisse zu Fragen vor wie „Wie sind die Menschen im Brigantium beerdigt worden?“ oder „In einem Grab wurde als Grabbeigabe ein Messer gefunden – handelte es sich bei dem Toten um eine Frau oder um einen Mann?“. Währenddessen fügt Kulturvermittlerin Margarethe Lang ergänzende Infos hinzu, die Kinder lauschen aufmerksam.

Da es bei der Führung aber nicht nur um Hören und Sehen, sondern auch um das Fühlen und Anfassen geht, lässt die Kulturvermittlerin einige Gegenstände der damaligen Zeit – zum Beispiel eine Schultafel, ein kleines Kästchen aus Hühnerknochen oder eine Scherbe – durch die Runde gehen. Danach führt sie die Kinder zu einem besonderen Schaukasten: Darin werden Gegenstände gezeigt, wie sie am Tage der Bestattung aussehen, wie drei Jahre und wie 2000 Jahre danach. Von einem Fisch etwa ist, nachdem er drei Jahre unter der Erde lag, nur noch das Fischskelett – also die Gräte – zu sehen, nach 2000 Jahren ist alles von ihm komplett verschwunden. Die SchülerInnen staunen.

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Im vorarlberg museum lässt sich aber noch viel mehr entdecken. Und das nicht nur im Rahmen einer Schulführung, sondern auch zusammen mit Mama, Papa und den Geschwistern. Jeden Sonntag wird eine Familientour angeboten, bei der KulturvermittlerInnen die Familien durch die Ausstellung führen und anschließend gemeinsam malen, basteln, kreativ sind. Mittwochs ist das Museum immer fest in Kinderhand: Bei Workshops, dessen Themen halbjährlich wechseln, werden das Museumsgebäude und die Ausstellungen erkundet. Auch dabei werden Fantasie und Kreativität groß geschrieben.

Mühlespiel basteln

Die Führung der Volksschule Gaißau ist inzwischen beendet, nun folgt der Workshop. Dafür stehen im vorarlberg museum zwei Ateliers zur Verfügung. Lehrerin und Direktorin Doris Helbok, die mit dieser Klasse bereits vor einigen Wochen eine Führung samt Workshop besucht hat, erklärt: „Das, was die Kinder beim Workshop machen, wirkt nachhaltig, denn das Gebastelte können sie mitnehmen und zuhause oder in der Schule aufstellen.“

Heute basteln die SchülerInnen unter der Anleitung der Kulturvermittlerin ein Mühlespiel – solch eines, wie es die RömerInnen bereits hatten. Eifrig schneiden, messen und malen die Kinder, und nach etwa 20 Minuten sind die ersten Spiele fertig. Kurz werden sie ausprobiert, und dann ist der Workshop auch schon wieder vorbei. Mit lautem Applaus bedanken sich die Kinder bei Kulturvermittlerin Margarethe Lang. „Ganz, ganz gut“, antwortet Chiara danach auf die Frage, wie es ihr im Museum gefallen habe. Auch Noah, Hasan und weitere SchülerInnen sind begeistert von der Führung und dem Workshop.

HINWEIS: Mehr Informationen zu den Führungen und den Workshops für Kinder sowie Jugendliche unter www.vorarlbergmuseum.at

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