Spuren

SPUREN – Buchpräsentation am 5. Dezember, Rüfikopf

Was bringt moderne Menschen dazu, sich Bretter an die Füße zu schnallen und in Kälte und Schnee lange Wege in alpinem Gelände auf sich zu nehmen? „Spuren“ erzählt von diesem „Wunder in Weiß“: In ihrer Verbindung von Ruhe, Einfachheit und Einsamkeit einerseits und Wettlauf, Kampfeinsatz und Technisierung andererseits hinterließ die Skibegeisterung tiefe Spuren in den Bergen.

Keine andere Region der europäischen (?) Alpen ist selbst so geprägt von dieser einmaligen Allianz von Sport, Tourismus und Lebensstil wie der Arlberg – ein Name, der sich inzwischen weltweit zum Synonym für den alpinen Skilauf entwickelt hat. Neue Forschungen und unveröffentlichte Bilder und Materialien machen die historische Faszination der Skikultur am Arlberg lebendig.

Ski und Arlberg

Im Gedächtnis der Öffentlichkeit gelten diese beiden Wörter weltweit geradezu als Synonyme. Sie sind kaum ohne einander zu nennen: Denn der Skilauf, wie wir ihn heute kennen, ist nicht zu denken ohne die Prägung, die er am Arlberg erfuhr. Jene Region, die sich erst mit dem Skilauf als Arlberg zu verstehen (und zu verkaufen) lernte, ist durch Skilauf und Skitourismus in einer Art und Weise modelliert, die weit über sporthistorische oder ökonomische Aspekte hinausreicht.

Die Verbindung von Ski und Arlberg betrifft, um nur einen ersten Katalog von Stichworten aufzuschlagen, das Lebensgefühl der ersten Skibergsteiger wie betuchter Après-Ski-Gäste; „der Arlberg“ lässt an die großen Skifilme und legendäre Skischulen denken und brachte spannungsreiche Ambivalenzen zwischen Tempo, Gemütlichkeit und bisweilen nationaler Verengung hervor. Damit sind alltagskulturelle, räumliche und symbolische Dimensionen angesprochen, welche die Lebensweise vor Ort bestimmten. Ski und Arlberg haben einen realen und imaginären Raum entstehen lassen, der weit über die konkrete Region hinausreicht und Einfluss auf Lebens- und Tourismusstile genommen hat, die heute überall, wo Menschen auf zwei Brettern unterwegs sind, Geltung besitzen.

Skikultur

„Spuren“ handelt von dieser Liaison, ihren Bedingungen und Konsequenzen. Es folgt den Spuren der Skikultur zu ihren Anfängen im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert und zeichnet zudem die Spuren nach, die Skilauf und Wintersport in der Alltagswelt und im Gedächtnis der Arlbergregion und darüber hinaus hinterlassen haben. Dafür verfolgt es einen naheliegenden, aber bis dato eher ungewöhnlichen Weg. In seinem Zentrum steht mit der „Skikultur“ der Versuch, all jene Dimensionen zu berücksichtigen, die durch die „Faszination Ski“ berührt wurden und wiederum selbst das Gesamtphänomen ausmachen. Denn das Phänomen Ski lässt sich nicht auf das Befahren winterlicher Berge beschränken, es umschließt vielmehr Dinge und Körper, Wissen und Praxis, Denk- und Redeweisen. Es hat im Zuge seiner Etablierung komplexe Institutionen und Regelwerke ausbilden lassen und ist zum Gegenstand der Selbstverständigung von Gruppen und Regionen geworden: zu einer öffentlichen Angelegenheit. Den Bedingungen und Möglichkeiten der Moderne entsprechend, hat diese von Beginn an nicht nur jene involviert, die daran unmittelbar teilhatten.

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Wesentlich ist dabei die gegenseitige Durchdringung von Sport und Tourismus als zwei häufig zu Unrecht gesondert gedachten Facetten des „Wunders in Weiß“. Sport und Tourismus sind nicht die einzigen Spuren, die im Feld der Skikultur zusammenlaufen, aber sie sind zwei wichtige Linien, die nicht voneinander zu trennen sind. Darin liegt eine Spezifik des alpinen Skilaufs; sie unterscheidet ihn von seinen vormodernen Vorläufern ebenso wie von der sich gleichzeitig ausdifferenzierenden nordischen Tradition, die sich länger den Zweck der alltagsnahen Fortbewegung im Gelände bewahrt hat. Mit seiner Ankunft in den Alpen aber gelangten Ski und Skitechnik erstmals in eine dezidiert freizeitorientierte Nutzung und mittelbar auch in den Horizont der Bergbegeisterung des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts.

„Skikultur“ zielt auf mehr als nur auf technische und strukturelle Dynamiken. Der Begriff ermöglicht, beispielsweise auch Körpertechniken als Ausdruck des Kulturellen zu verstehen und die damit verbundenen Erfahrungen und Bedeutungen freizulegen. Denn Skilauf und Wintertourismus eröffneten der Gesellschaft des Industriezeitalters ein immens sinnliches Feld, in dem sich zwischen dem Versprechen „stiebenden Pulverschnees“ und der „zünftigen Hüttengaudi“ mit allen Sinnen die ersehnten Erfahrungen körperlicher und gesellschaftlicher Unmittelbarkeit suchen ließen.

(Fotos: Stadtarchiv Bregenz, Sammlung Familie Brunner, Sammlung von Lecher Gästen / unbekannt, Sammlung Franz Karl und Thomas Egler / Bludenz)

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